Samstag, 9. November 2013

Willkommen im Outback

Jetzt bin ich schon seit einem guten Monat unterwegs und da habe ich mir gedacht: es ist mal wieder Zeit für einen Zwischenbericht ;)

Nachdem ich ja die ersten 3 Wochen wirklich relativ intensiv gereist bin, habe ich jetzt endlich ein Plätzchen gefunden, wo ich wenigstens ein kleines Weilchen bleiben werde.

Wie bereits in meinem letzten Post beschrieben, war Brisbane jetzt nicht ganz so meine Stadt, sodass ich mir etwas im Landesinneren gesucht habe. Da bin ich nun auch.

Ich bin letzte Woche Mittwoch seeeeeeehr früh morgens von Brisbane nach Cairns geflogen und dort dann direkt in den Flieger nach Alice Springs gestiegen. An dem Tag hatte ich echt Glück. Ich konnte immer am Fenster sitzen und mir das ganze Land quasi mal von oben anschauen. ;)







Ist das Land nicht wunderschön??? :)

Ich fand es super!

 
Naja, kurz nach dem ich in Alice Springs gelandet war, erhielt ich auch schon einen Anruf von Sonnie, welche mich abholen sollte/ wollte und zum Glück hat alles wunderbar geklappt. Nach ein paar Erledigungen in der Stadt sammelten wir noch Miriam ein. Miriam ist auch eine Deutsche und über ihren Post bei Facebook bin ich auf die Farm gekommen.

Anschließend wurde ich darauf vorbereitet, dass wir noch 3h durch das Nichts fahren und wenn ich nochmal für kleine Mädchen müsste, sollte ich das lieber dort machen... Also ich wusste, dass die Farm „in the middle of nowhere“ sein sollte, aber erstens waren mir die Ausmaße bis dahin noch nicht ganz so gegenwärtig und zweitens fand ich die Aussage etwas kurios :D

Aber ok, ich war ja nun mal dort hingeflogen um mir wirklich meinen Traum zu erfüllen und mir das richtige australische Leben anzugucken, also konnte ich alles einfach mal auf mich zukommen lassen.

Wir sind wirklich 3h durch das Nichts gefahren! Es ist komplett anders als in Deutschland, wo man vielleicht mal 20Minuten oder eine halbe Stunde fährt und dann kommt der nächste Ort... Es war wirklich nichts da. Aber es sah toll aus! :) Irgendwann nach einer halben Stunde oder so hörte auch die asphaltierte Straße auf.

 

Als wir ankamen, gab es gleich einen solch fantastischen Sonnenuntergang:



 

Ich muss zugeben, dass ich die ersten 2 Tage wieder zurück wollte, weil mir alles zu viel war. Alles war komplett neu. Ich kannte keinen, ich hatte quasi einen neuen Job und es war alles auf Englisch. Selbst mit der Deutschen habe ich permanent englisch gesprochen. Dazu kam, dass ich "Dauermüde" war, was natürlich zum einen an dem ständigen Englisch lag (ich muss mich auch momentan noch recht doll konzentrieren um die Menschen zu verstehen), zum anderen lag/ liegt es aber auch an den ganzen Eindrücken und der Hitze. Wir hatten gestern und vorgestern kuschelige 41° und das ist relativ normal... Die letzten Tage waren es immer so 38°. 

Wie viel Grad habt ihr nochmal in Deutschland??? :P

 Heute ist es aber sehr angenehm… Hatte mir gestern gerade gedacht, dass ich so einen Regenguss hier gerne mal miterleben würde und TÖTÖRÖTÖ!! Heute regnet es. Ich wurde von einem kräftigen Donner geweckt und erst goss s wie aus Eimern. Mittlerweile ist es immer nur ein wenig Nieselregen, aber der Tag ist ja noch nicht vorbei. Das Faszinierende dabei ist wirklich, wie schnell die Pflanzen das Wasser aufsaugen und man zusehen konnte, wie es grüner draußen wurde.

Mittlerweile habe ich mich zum Glück etwas an die Verhältnisse hier gewöhnt und fühle mich hier echt wohl. Bin jetzt seit eineinhalb Wochen auf der Farm und genieße es. Ich habe endlich mal wieder ein eigenes Zimmer und das Bad muss ich mir auch nur mit einer weiteren Person (Miriam) teilen. Das ist nach dem ganzen Hostel-Leben ein echter Luxus. 

Das schöne ist auch, dadurch das hier weit und breit nix ist, gebe ich auch kein Geld aus ;)

Achso, ich sollte vielleicht noch sagen, dass ich hier für Essen und Unterkunft arbeite. Also ich habe ein Bett und einmal die Woche mache ich mit den anderen Mädels eine Einkaufsliste und dann werden die Sachen bei dem wöchentlichen Ausflug in die Stadt für uns gekauft. Leider verdiene ich dadurch natürlich nix für die weiteren Reisen, aber es ist es echt Wert um sich hier einfach mal das Leben im richtigen Australien anzugucken.



 

Zu meiner Arbeit:

Ich bin meiner Branche quasi treu geblieben und arbeite hier auf der Farm in einem kleinen Shop. In dem Shop kommen hauptsächlich Aborigines einkaufen und deren Umgangsformen und Lebensweisen zu beobachten, ist echt total spannend. Wusstet ihr, dass ein Aborigine ungefähr alle 2 Wochen vom Staat Geld bekommt (und das nicht wenig), einfach nur, weil er da ist???

Und beim besten Willen, die können echt nicht mit Geld umgehen. Deren Schecks kommen zu uns in den Laden und wenn sie den Scheck dann unterschreiben, zahlen wir denen das Geld aus. Das geben sie aber in der Regel komplett bei uns gleich wieder aus... Die sind halt anders. Ich habe Emma (die Farmbesitzerin und Shopbetreiberin) mal gefragt, was die so machen. Die Aborigines machen eigentlich nix. Sie sitzen und warten und ab und zu malen sie (das sieht echt schön aus) ach und essen... Aber sonst nix.



(ein paar Auszuege aus der Kunst der Aborigines)

Das merkt man auch, wenn sie bei uns einkaufen kommen. Sie kommen mit ihren Autos an und dann sitzen sie erst einmal vor dem Shop. Die Autos sind auch immer komplett voll, also hier fährt von denen eigentlich nie einer mit einem unterbesetzten Auto. Emma hat mir auch erzählt, dass sobald ein Aborigine in seinem Dorf ein Auto besitzt, ist er der King. Das Auto ist ein regelrechter Statussymbol, was aber nicht mit Deutschland gleich zusetzen ist. Hier geht es mehr darum, dass die Aborigines dann regelrecht in ihren Autos leben und es ihnen möglich ist überall hinzufahren. Der große Unterschied zu Deutschland ist aber, dass sie ihe Autos nicht sonderlich pflegen. Ich habe bisher bei fast jedem Auto gedacht: Oh Gott, in Deutschland würde man das sofort in die Werkstatt stecken ;)

Naja, wenn sie dann angekommen sind, entschließen sie sich irgendwann auch mal herein zu kommen und etwas zu kaufen. Damit gehen sie dann wieder raus, dann sitzen sie wieder, dann kommen sie wieder rein und kaufen noch etwas (manchmal auch genau das gleiche nochmal) und gehen wieder raus… Wir verkaufen auch „Take a way“ Dinge, wie Chicken & Chips, Fish & Chips und so. Auch diese Dinge sind sehr beliebt. Viele von ihnen sind auch regelrecht „ausgehungert“ und kaufen mehrfach Chicken &Chips-Portionen. Ein Einkauf der Aborigines dauert bei uns ungefähr 3-4 Stunden. Für sie ist es nicht nur das sie ihre Nahrung kaufen gehen, sie kaufen auch total unnützes Spielzeug und so und nutzen den Ausflug sozusagen als Tagesausflug.

 

Aber nicht nur das ist hier anders. Prinzipiell ist das ganze Leben hier etwas einfacher. Hier gibt es kaum bürokratischen Stress, keine wirklich festgeregelten Öffnungszeiten und so weiter… Wir haben beispielsweise auch nicht durchgehend Strom. Der Generator geht so gegen 22:30Uhr abends aus und legt morgens gegen 6Uhr wieder los. Das macht es leicht nicht so spät ins Bett zu gehen ;) Aber in den letzten Tagen Hatten wir Glück… Ich weiß nicht warum, aber a lief der Strom die ganze Nacht durch. Wer weiß, wie lange das so bleibt, aber das ist natürlich auch wesentlich bekömmlicher für die Lebensmittel, weil ohne Strom funktioniert natürlich auch nicht der Kühlschrank.

Außerdem haben die das hier nicht so mit der Müllabfuhr. Deshalb verbrennen wir eigentlich alles. Das ist echt krass. Überall auf dem Hof stehen Tonnen herum und ungefähr alle 2Tage werden diese befüllt mit SÄMTLICHEN Müll, also auch Plastik und alles und wir verbrennen es. Gesund kann das nicht sein :D

 




Abschließend muss ich euch noch von etwas Coolen berichten. Ich habe herausgefunden, dass das Haupteinkommen der Farm die Cattle Station sprich die Rinderfarm ist. In den letzten 3 Tagen konnte ich miterleben, wie die Rinder hierher transportiert und wie sie in den Paddocks sortiert wurden. Und gestern war dann nochmal mein persönliches Highlight: die Cattles wurden wieder verladen. Damit wir uns das angucken konnten, ist Emma extra an ihrem freien Tag in den Shop gekommen und hat uns kurz abgelöst. (Wir hatten die Tage zuvor aber auch danach gefragt.) Auf jeden Fall war das total spannend, auch wenn wir nur daneben stehen durften. Na, ein bisschen Zeit habe ich ja noch. Vielleicht schaffe ich es ja nochmal in der brütenden Hitze auch bei so etwas mitzuarbeiten ;)

Anbei noch ein paar Bilder:

 






 
Na gut, jetzt habe ich aber ganz schön viel erzählt… ;) Mal gucken was bis zum nächsten Mal alles passiert. Macht es gut :*


3 Kommentare:

  1. Hallo Nikikind,
    aus dir wird ja noch n`richtige Landpommeranze.
    Wir finden es schön,daß du dieses schöne große Land auch mal von dieser Seite kennenlernst. und auch einen Einblick in das Leben der Aborigines bekommst.
    Crass ist das mit der Müllverbrennung! Die wissen sich eben zu helfen.
    Du bist sehr mutig. Wir sind stolz auf dich!
    Mutti & Papa

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  2. Hey Niki,
    cooler blog. jaja, die hitze! wem sagst du das? ein dickes *ätsch* nach Deutschland ;)
    liebe Grüße vom "mama africa" nach "down under"
    *jubeljule*

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    1. :D lieben Gruß zurück!! Hoffe euch gehts bestens dort drüben!!

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